Von der Schüler-ID zur Bürger-ID

Vortrag von Klaus Sauerland

Termin: Freitag 30.10. 2026 um 19:30 Uhr
Ort: Restaurant Schwabenhaus, Stauffenbergstraße 15, 86151 Augsburg
Einlass ab 18:30 Uhr

Klaus Sauerland - von der Schueler ID zur Buerger ID
Klaus Sauerland – von der Schueler ID zur Buerger ID

Klaus Sauerland, Buchautor, setzt sich dafür ein, Bürokratie abzubauen und Regeln dort zu hinterfragen, wo sie vor allem Verwaltung binden, statt Menschen zu helfen. Sein Anliegen ist, dass Familien spürbar entlastet werden und Kinder in einer Umgebung aufwachsen, die ihnen Schutz und Unterstützung bietet.

Der Refernet zeigt auf, welche Folgen digitale Identifikationssysteme für den Alltag von Menschen haben können. Spannend dabei ist die Tatsache, dass Identität bereits im frühen Stadium technisch erfasst und später im öffentlichen Leben weiter genutzt wird.

Digitale Identifizierungen wie die elektronische Gesundheitskarte, oder der digitale Impfpass gelten als erste Bausteine eines zunehmend vernetzten Systems. Klaus Sauerland geht der zentralen Frage nach, was es für Schülerinnen und Schüler bedeutet, wenn nach und nach in einer digitalen Identifikationsnummer Daten über die gesamte Schulzeit hinweg gespeichert werden, die Faktisch den „gläsernen Bürger“ erzeugen.
Konkret soll in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2027/2028 die Schülerid flächendeckend über gesamt Baden Württemberg, die Schüler ID ausgerollt werden. Dabei soll jedem Schüler an öffentlichen Schulen eine individuelle digitale ID zugeordnet werden – und zwar über die gesamte Dauer der Schulzeit. Grundlage dafür ist die Anpassung des § 113a im Schulgesetz. Mit dieser Schüler ID sollen künftig nicht nur Identitäts- und Kontaktdaten sowie Leistungs- und Bildungsdaten erfasst werden, sondern ausdrücklich auch Gesundheitsdaten sowie Verhaltensdaten einschließlich Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Dabei wird das System nicht als klassische Schülerakte beschrieben, sondern als digitale Information, die zentral in einem Schülerpool gespeichert und in Schulen abrufbar sein soll. Bereits im Herbst 2026 soll ein Pilotprojekt gestartet werden. Eine digitale Schüler ID, die in Schulen abrufbar ist, sorgt für entscheidende Bedenken:

  • Wer stellt sicher, dass wirklich ausschließlich berechtigte Stellen Zugriff erhalten?
  • Wie wird verhindert, dass sensible Daten missbraucht, missverständlich weitergegeben oder durch Angriffe gestohlen werden?

Darüber hinaus warnt Klaus Sauerland, dass die Schüler-ID nicht nur regional funktionieren sollen, sondern Teil einer bundesweiten Entwicklung ist.

Eine dauerhafte Speicherung etwa von Noten oder von Verhaltensauffälligkeiten könnte außerdem zu einer „Schubladisierung“ führen. Frühe negative Bewertungen könnten spätere Bildungschancen und Berufsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigen, während der konkrete Nutzen für Bildungspolitik und Unterrichtspraxis bislang nicht überzeugend belegt ist. Was in der Schule beginnt, wird möglicherweise später alle Bürger betreffen. Der Blick geht dabei über Deutschland hinaus. Parallel arbeiten viele Staaten an digitalen Identifikationssystemen und in verschiedenen Ländern wird die Einführung einer verpflichtenden Bürger-ID diskutiert, die als digitale Identität ähnlich einem digitalen Personalausweis funktionieren und zahlreiche Datenquellen verbinden soll. Als Warnung dient in diesem Zusammenhang das chinesische Sozialkreditsystem, in dem Verhalten anhand gesammelter Daten bewertet und sanktioniert wird. Der Refernt gibt zu Bedenken, dass die Schüler-ID einen „Eingewöhnungsschritt“ darstellt. Wer früh an ein umfassendes Datensystem herangeführt wird, erleichtere später den Ausbau zu weitergehender Überwachung. Deshalb richtet sich der Appell unter anderem auch an Eltern, aktiv zu werden und in Gesprächen mit Lehrkräften, Schulleitungen und in der Klassenrunde die Risiken einer Entwicklung hin zur Totalüberwachung deutlich anzusprechen.

Komm‘ zu diesem spannenden Vortrag und melde dich an. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende, zur Unkostenbegleichung (Kosten für Autor, Unterkunft und Fahrt) gebeten.

Veranstalter: dieBasis Kreisverband Augsburg